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Hinschmeißen ist nicht.

Liebe Leserin,

Schreibend habe ich eher ein hartes Jahr hinter mir. Der Grund: Es bestand überwiegend aus „nicht schreiben“. Und Selbstzweifeln, die so immens groß waren, dass ich einfach nur noch hinschmeißen wollte.

Wie man an dem eingebetteten Tweet sehen kann, hat das mit dem Hinschmeißen nicht geklappt. Wirklich, ich hab´s versucht. Ernsthaft. Aber eine kleine Stimme in mir wollte das einfach nicht zulassen. Aufgeben wäre so leicht gewesen! Stattdessen sitze ich nun hier vor einer fertigen Romangliederung und freue mich wie blöd, dass ich das geschafft habe. 🙂

Die nächsten Monate schreibe ich mich also nach Süditalien, genauer gesagt nach Kampanien, und werde alles daran setzen, zwei Menschen Wärme zu geben, die den Halt verloren haben. Zwischen Weinbergen, mit Blick auf das tiefblaue tyrrhenische Meer, liegen Geheimnisse, die gelüftet und Schicksale, die gewoben werden wollen.

Wahrlich, ich hätt´s schlimmer treffen können mit dem nicht Hinschmeißen. 😉

Apropos, Schicksale, die gewoben werden: Seit Mai dieses Jahres besteht das Nornennetz, ein Zusammenschluss von Schriftstellerinnen der Fantastik. Die Schicksalsweberinnen haben sich vereint, um sich besser zu vernetzen und für mehr Sichtbarkeit der Schriftstellerinnen im fantastischen Genre zu sorgen. Derzeit netzen die Nornen auf Twitter und auf Facebook.

 

Bildquelle Beitragsbild: Pixabay

Das Licht am Ende des NaNoWriMo´s

Morgen ist der NaNoWriMo zu Ende, und ich habe es sage und schreibe geschafft, 14.893 Wörter zu schreiben. **Ironieaus** **Frustan**

Woran lag´s?

Nachdem dies nun der dritte gescheiterte NaNoWriMo-Versuch ist, komme ich langsam auf den Gedanken, dass der National Novel Writing Month für viele Schreibende die ideale Herauforderung ist, aber eben nicht für alle.

Eine Herausforderung wirkt positiv motivierend, wenn eine reelle Chance besteht, sie zu meistern.

Hier ist eher das komplette Gegenteil der Fall. Und das Schlimme? Ich wusste das im Grunde genommen von Anfang an, mein Stolz wollte das aber nicht einsehen.

Selbstverständlich bin ich eine Zwillingsmama, die einen Vier-Personen-Haushalt inkl. großem Garten, zwei Kindergeburtstagsparties und den Schritt in ihre eigene Arbeitslosigkeit stemmt, und das alles während sie an 12 möglichen Schreibvormittagen à 3h 50.000 Worte raus haut. Was dachtet Ihr denn?

Wie blöd kann man sein?

Nicht blöd. Aber verzeifelt genug. Ich wünsche mir so sehr, endlich wieder ein fertiges Manuskript auf dem Tisch liegen zu haben, dass ich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehe. Vor allem sehe ich nicht mehr (und das schon seit Längerem), dass es eben so lange dauert, wie es halt dauert, ein Manuskript zu schreiben. In meinem Tempo, integriert in diesen oftmals chaotischen Familienalltag, verpackt in realistische Erwartungen.

Der dämliche Ehrgeiz, der zu Studentenzeiten mehr als willkommen war, hat irgendwie nicht mitbekommen, dass mein Leben als Mutter von Zwillingen ein ganz Anderes geworden ist, als das, was er kennt. Nicht mehr „die Nächte durchschreiben“, nicht mehr „nur sich selbst gegenüber verantwortlich sein“, nicht mehr „einfach mal nicht kochen“ und nicht mehr „heute schwänz ich, weil ich es kann“.

Ich bin stinksauer auf meinen Ehrgeiz, weil er mich ständig in Herausforderungen und Vergleiche mit anderen manövriert, bei denen ich niemals gut weg käme. Jedenfalls nicht so, wie er – und eigentlich auch ich – es gerne hätten, nämlich mit Glanz und Gloria und absolut erfolgreich.

Licht am Ende des NaNoWriMo´s

Auf der anderen Seite: Besäße ich diesen Ehrgeiz nicht, hätte ich sehr wahrscheinlich schon längst aufgegeben, meine schriftstellerische Karriere voran zu treiben. Gerade in solchen Momenten des Misserfolgs, die ich als ehrgeizige Wettkämpfernatur zugegebenermaßen schlecht wegstecke, ist es der Ehrgeiz, der mich zwingt, mich wieder aufzurappeln und weiter zu machen.

Allerdings, und das habe ich jetzt hoffentlich gelernt: Das Spiel muss fair bleiben. Ein Spiel zu spielen, bei dem von vorneherein klar ist, dass ich es nicht gewinnen kann, ist Verrat an mir selbst.* Ich helfe dadurch niemandem, am allerwenigsten mir selbst. Ich schade mir nur damit.

14k ist besser als Null

Der NaNoWriMo 2016 ist morgen zu Ende. Das neue Manuskript ist um 14.893 Worte gewachsen. **Frustaus** **Zuversichtan**

*Ihr erinnert mich im Oktober 2017 an diese Worte, wenn mein Ehrgeiz mich wieder austricksen will und es mir in den Fingern juckt, den NaNoWriMo mitzumachen, ja? 😉

Colwey goes NaNoWriMo 2016

Die SUB-Challenge wird zur NaNoWriMo-Challenge

Wir erinnern uns: Im letzten Post auf dem AnneBlog schrieb ich von all meinen Anfängen, vom Aufgeben und dem Drückebergersyndrom.

„Vielleicht muss ich erst mal lernen, die Dinge zu Ende zu bringen.“ – Das waren meine Worte.

Und genau das ist es. Zwar habe ich mir mit dem Hashtag #StapelUngeschriebenerBücher einen schönen, sanften Reminder gegeben, was da in meiner Projektschublade alles fertig geschrieben werden will (neue, unverhofft mich überrennende Ideen noch nicht mitgezählt), aber ich brauche vielleicht noch etwas mehr liebevollen Arschtritt, um das erste Häckchen auf meiner Manuskriptliste setzen zu können.

Was hilft besser als jede wohl gemeinte Erinnerung? Kontrolle.

Es gibt auf diesem Planeten keine Plattform, die dich schreibend besser in der Spur hält, als der NaNoWriMo. Jedenfalls ist mir im Netz noch keine begegnet. Spätestens im September / Oktober, wenn auf Twitter immer mehr Tweets mit Hashtag #NaNoWriMo / #NaNoPrep in meiner Timeline auftauchen, kriege ich dieses Kribbeln. Jedes Mal sage ich mir, dass ich mich doch nicht so unter Druck setzen lassen sollte, Gruppenzwang und überhaupt. Und trotzdem trage ich mein Projekt auf der Plattform ein, fiebere dem Augenblick entgegen, wenn am 1. November der Startschuss fällt.

Natürlich werde ich auch dieses Mal wieder hoffen, durchzuhalten, die 50.000 Wortmarke zu knacken und mein Manuskript voran zu bringen oder gar fertig zu schreiben. Es wäre das erste Manuskript post Klarant Verlag, und allein das müsste doch Ansporn genug sein.

Ausserdem ist es absolut an der Zeit, sich das regelmäßige Schreiben wieder anzugewöhnen. Ich hoffe, ich habe meine Verlagsvertragserfahrung jetzt soweit verarbeitet, dass sie mich nicht mehr innerlich blockiert und mir das Schreiben madig macht. Und ich hoffe, dass mir das Unkraut im Garten eine Chance gibt (Liebes Unkraut: Hör einfach auf zu wachsen, ja!?).

Um den NaNoWriMo zu gewinnen, müssen über 30 Tage täglich 1.667 Worte geschrieben werden. Die „Einzeldosis“ ist im Grunde genommen nicht viel, in der Summe der Tage jedoch hartes Training für den Selbstdisziplinmuskel.

Und wenn es nicht klappt?

Schön wird das natürlich nicht, wenn man den NaNoWriMo nicht gewinnt (ich habe ihn noch nie gewonnen – Asche auf mein Haupt), aber immerhin ist man mit dem Schreiben angefangen und hat Material, an dem man weiter arbeiten kann. Ich weiß nicht, welche Ambitionen andere Schreibende haben, die den NaNoWriMo mitmachen, mein Hauptbeweggrund ist jedenfalls die Jagd nach kleinen, grünen Häckchen auf meiner Liste des #StapelUngeschriebenerBücher. Wenn 2015 das Jahr des Verlagsdramas war, 2016 das Jahr des Hausbaus, Umzugs und Unkrauts, dann soll 2017 das Jahr des Buches werden. So ist hier jedenfalls der Plan.

Kommt gut durch den Rest der Woche,
Anne_Unterschrift

 

Hier noch eine Leseempfehlung zum NaNoWriMo (Englisch): „No Plot? No Problem!“ von Chris Baty (Gründer des NaNoWriMo)

 

 

 

 

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Nichts geht mehr? Mach eine Challenge draus!

Du kennst das: Voller Enthusiasmus startest du in ein neues Manuskript, nachdem deine Muse eine Punktlandung bei dir gemacht hat und dich glauben lässt, dass es DAS Manuskript ist.
Das eine Manuskript, was alles wieder gut macht, was bisher schief gelaufen ist in deiner Karriere als Autor.
Das eine Manuskript, das dir den langersehnten Erfolg garantiert.
Das eine Manuskript, das endlich, nach langen Jahren voller Absagen, von einem seriösen Verlag angenommen wird.

Also, nichts wie ran an den Schreibtisch und los geht´s, deine gierige Muse will eifriges Tastengeklappere hören! Und du bist hochmotiviert dabei, haust Szene für Szene raus, brennst richtig für DAS Manuskript, bis–. Genau. Bis gar nichts mehr geht.

Noch bevor du richtig verstanden hast, was eigentlich los ist, hat sich deine Muse entweder komplett verabschiedet, oder dich bereits mit einer neuen noch viel besseren Idee versorgt.

Ich habe mich über 20x von dieser Diva kaufen lassen. Über zwanzig angefangene Manuskripte, Romangliederungen, grobe Handlungsgerüste rotten in meiner Schublade vor sich hin.

Und ganz ehrlich?
Ich habe die Nase voll.

Ich habe keine Lust mehr auf immer neue Anfänge, immer neue Enttäuschungen, immer neues Steckenbleiben und Aufgeben.

Also schmeiß ich hin, oder? Begrab die Anne Colwey und Alles, was dazu gehört. Sämtliche Social Media Accounts, die letzten mit CreateSpace erschaffenen Druckwerke meiner Liebesromane, die mich mitleidig vom Regalbrett her anlächeln und die entstanden, bevor ich eine dämliche Knebelklausel unterschrieb, und überhaupt: Unsere Altpapiertonne fasst 240l. Da geht ’ne Menge rein.

Klar soweit? Die Colwey gibt auf.

Oder nicht?

Nein. Ich gebe nicht auf.

Ich mache eine Challenge draus.

Wenn ich eins im Laufe der letzten Jahre gelernt habe ist es, nicht vorschnell die Flinte ins Korn zu werfen und den Neidern, der dämlichen Muse, den Zweiflern auch noch Wasser auf ihre Mühlen zu geben. Ich kann es besser.

20 angefangene Romane? Sollten zu schaffen sein, oder?

Wenn du an dieser Stelle denkst: „Okay, die Frau hat ’nen ausgewachsenen Knall!“, dann wäre ich womöglich geneigt, dir vorerst Recht zu geben. Vielleicht habe ich den nämlich wirklich. Aber vielleicht suche ich mehr oder weniger verzweifelt nach einer Möglichkeit, wieder Grund in mein Schreiben hinein zu bringen. Der ist mir nämlich durch mehrere unschöne Erfahrungen abhanden gekommen. Meine Kritikpartnerin Hazel McNellis formulierte es in etwa so: „Der Mega-Super-Gau“.

Was also tun, wenn Anfänge nicht zum Ende führen?

Ich könnte natürlich jetzt noch eine neue Idee aus dem Hut zaubern, an Ideen für Romane mangelt es mir nie. Und ebenso wie alle anderen zuvor könnte ich wieder voller Enthusiasmus mit diesem neuen Roman anfangen (das letzte Opfer meiner Musen-Diva war übrigens ein Liebesroman mit Schauplatz in New Orleans).

Aber du und ich, wir wissen beide was passieren wird: Irgendwann kommt der Augenblick, an dem ich wieder einmal nicht mehr weiter weiß und das Manuskript abbreche. Um erneut voller Enttäuschung und Frust am Schreibtisch zu sitzen. Vielleicht bekomme ich es dann wirklich nicht mehr gestemmt, meinem Traum treu zu bleiben.

Es ist also an der Zeit, einen Weg zu finden, mein Verhalten zu ändern.

Auf meinem ganzen bisherigen Weg als Liebesromanautorin scheine ich mit einer simplen aber absolut wichtigen Kleinigkeit die größten Schwierigkeiten zu haben:

Ich habe (noch) nicht gelernt, die Dinge zu Ende zu bringen.

 

Willkommen in meiner Challenge!

Anfang September, als hier im Haus zunehmend mehr Ruhe einkehrte, habe ich einen mentalen Kassensturz gemacht. Ich habe Ursachenforschung betrieben, warum ich über 20 Manuskripte versumpfen lassen habe. Nach einigen Stunden Recherche im Internet und kritischen Hinterfragens meines Verhaltens stand fest:

Wenn es schwierig wird, bin ich weg.

Damit bin ich wohl eine klassische Drückebergerin. Diese Erkenntnis war erst mal ziemlich ernüchternd. Wer will sich schon gerne als Drückebergerin und Steckenbleiberin outen?

Nachdem ich das verdaut hatte, ging es an die Ursachenforschung:

Warum bleibe ich stecken? Warum wird es kompliziert?

Leider sieht man den Wald ja oft vor lauter Bäumen nicht. Im meinem Fall war es ganz offensichtlich, dass ich mich in der Gliederungsphase des Manuskripts einfach nicht genug um Details gekümmert hatte. Statt das Problem auszusitzen und eine Läsung für einen Handlungsknoten zu finden, habe ich flott drauf los geschrieben, darauf vertrauend, dass ich den Knoten schon gelöst haben werde, wenn ich an der Stelle im Manuskript angekommen bin.

Ein totales No-Go. Du kannst keinen Roman vernünftig aufbauen und schreiben, wenn du die Motive deiner Figuren und damit die Handlungsstränge nicht bis ins Detail kennst. Wie willst du denn da schon zu Anfang des Skripts die für die einzelnen Szenen richtigen Emotionen durchblicken lassen und die ersten, wichtigen Fragen aufwerfen, die den Leser bei der Stange halten sollen? Eben, gar nicht. Jedenfalls nicht für mein Schreibzentrum da oben drin.

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt, oder?

Nun ja. Ich brauchte einen Anreiz, um motiviert genug zu bleiben, mein Verhalten dauerhaft zu ändern. Ich bin eine ehrgeizige Wettkämpfernatur, also habe ich das Problem mal von der sportlichen Seite aus betrachtet.

#StapelUngeschriebenerBücher – meine ganz persönliche Challenge

Meine Autorenkollegen bei Twitter haben Anfang September einige Tweets von mir gesehen, in denen ich ihnen mein Problem unter diesem Hashtag beschrieb. Für mich absolut erstaunlich war, wie viele darauf angesprungen sind und Solidarität bekundet haben. Scheinbar bin ich nicht die Einzige, die mit einem Stapel ungeschriebener Bücher in der Bredouille sitzt.

Ich hatte zuerst Zweifel gehabt, ob ich mein Problem wirklich öffentlich machen sollte. Im Nachhinein ist das aber eine ganz gute Sache, hoffe ich zumindest, denn die Sichtbarkeit für alle setzt mich in gewisser Weise unter Zugzwang.

Ich setze mich nun mit meinem #StapelUngeschriebenerBücher auseinander.

Langfristig soll der Verlauf dieses Projekts auf meinem AnneBlog dokumentiert werden. Dazu in einem anderen Beitrag mehr!

Immer in der Hoffnung, den Selbstdisziplinmuskel für den schreibenden Langstreckenlauf zu trainieren,

eure
Anne_Unterschrift

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Warum eine bewusst gewählte Sendepause manchmal die beste Wahl ist

Einigen von euch wird es sicherlich schon aufgefallen sein: Ich bin ungewöhnlich still in letzter Zeit. Twitter, mein liebstes und erstes Sprachrohr in der bunten Netzwelt, wird derzeit nur sehr sporadisch mit Tweets von mir befüllt und Facebook hat mich schon seit einer ganzen Weile nicht mehr gesehen.

Was ist also los? Wo drückt der Schuh?

Im Grunde genommen ist ganz viel los – und eigentlich gar nichts. Manchmal ist einem nämlich die ganze Welt zu viel, obwohl man zu Hause auf seinem Bürostuhl sitzt und eigentlich nichts weiter tun müsste, als einen Buchstaben nach dem anderen in das Manuskript-Dokument zu tippen. Stück für Stück, so wird ein Roman draus.

In meinem Arbeitszimmer sitzt eine kleine Teufelin neben mir und grinst sich hämisch einen, weil ich mich mal wieder habe abholen lassen. Abholen von den ganzen (schrecklichen) Ereignissen da draußen in der großen, weiten Welt, von den Erfolgsgeschichten anderer Autoren, die besser, schneller, geschickter sind als ich und letztendlich sogar von den mir seit Monaten bekannten (aber innerlich vollkommen ignorierten) Sommerferien meiner Kinder.

Es besteht ein Informationsüberfluss; ich selbst bin es, die sich mit Informationen aller Art aus der großen Weite des Netzes überladen hat und jetzt nicht mehr damit zurecht kommt. Wie in einem schlechten Roman habe ich zu viele Fässer auf einmal aufgemacht, ohne wenigstens einige der bestehenden Konflikte vorher gelöst zu haben. Das Resultat: Es ist zu viel von Allem, und deswegen ist gar nichts los.

Information overload sozusagen. Dieser wird getoppt durch zwei Vierjährige, für die ich während der gesamten Ferienzeit ständig da zu sein habe.

Vor noch nicht allzu langer Zeit hätte mich mein Ehrgeiz an den dunkelblonden Haaren gepackt und mir einen kräftigen Tritt in den Hintern gegeben. Niemals hätte ich mich von meinem Alltag unterkriegen lassen, schließlich führt nur sich durchbeißen zu Ergebnissen und diese zum Erfolg.

Allerdings, und das vergesse ich mit schöner Regelmäßigkeit, ist dieses Jetzt ein anderes als die Vergleichssituation aus der Vergangenheit. Wer kleine Kinder hat, weiß, wie ich das meine: Irgendwann kommt der Moment, an dem sie dir mit einem Lächeln erklären, dass Mittagsschlaf machen nicht mehr zur Debatte steht, weil sie ja schon groß sind. Irgendwann reicht es nicht mehr, zu Hause zu sein und hier Beschäftigung zu finden; nein, sie wollen raus, die Welt entdecken: Waldspielplatz, Fahrrad fahren, eine Tour in die große Stadt (Bremen) machen, wo man Straßenbahn fahren und Boote auf der Weser angucken kann. Das ist es, was sie erleben wollen und wofür sie mich brauchen.

Die Routine von vor gerade Mal zwei Jahren ist nun eine völlig andere, ich finde immer weniger „Zeitnischen“, um mich konzentriert an ein Manuskript zu setzen. Je mehr Aktivität am Tag von mir eingefordert wird, umso müder bin ich am Abend. Das ist auch eine Änderung meiner Tagesroutine: Eigentlich sollte ich abends noch zwei Stunden schreiben (5x 1.500 Worte = 7.500 Worte = 30.000 Worte im Monat), derzeit bin ich froh, wenn ich noch ein Kapitel eines Romans gelesen bekomme, bevor mir teilweise schon um 21:00 Uhr die Augen zufallen.

Erschöpfung? Ja. Wir haben gebaut, sind umgezogen, machen den Garten, werkeln… und haben jeden Tag Alltag mit den Zwillingen.

Ausgebrannt sein? Ganz bestimmt. Kein Mensch kann dauerhaft auf „Superturbo“ laufen, auch wenn das viele – inklusive mir – nicht wahr haben wollen.

Falsche Prioritätensetzung? Vielleicht. Es ist unglaublich schwer, in diesem ganzen Gewühl, welches unser Leben derzeit ist, den roten Faden in der Hand zu behalten.

Sich verzetteln? Mit Sicherheit, sonst stünden hier nicht überall so viele offene Fässer herum.

Desillusion? Leider ja. Ich war Anfang 2015 auf einem richtig guten Weg, mir ein konstantes, wenn auch kleines Einkommen als Schriftstellerin zu „erschreiben“. Die Krönung dessen war ein Verlagsvertrag, den ich mit einem eBook-Verlag geschlossen hatte. Zu blöd, dass ich erst viel zu spät gemerkt habe, wie dieser „Verlag“ wirklich funktioniert.

Wenn also zu viel los ist und doch nichts passiert, dann befindet sich mein Ehrgeiz derzeit wohl zusammen mit meinen Kindern im Sommerurlaub.

Denn neben der kleinen Teufelin habe ich hier scheinbar noch jemanden in meinem Arbeitszimmer sitzen; leider nehme ich sie viel zu selten wahr oder erst dann, wenn ich wegen allgemeiner Überforderung und Übermüdung kurz davor bin, sämtliche Social Media Kanäle, diese Website und überhaupt die „Autorin Anne Colwey“ zu löschen.
Sie heißt Achtsamkeit, ist noch recht neu hier in meiner mentalen Arbeitszimmer-WG und lässt sich wie gesagt, nur selten blicken. Ich nehme an, sie ist von recht schüchterner Natur und traut sich kaum aus sich heraus. Das kann ich ihr nicht einmal verübeln, gerade wenn ich daran denke, welche emotionalen Kämpfe die kleine Teufelin und ich, die Kreative, hier am Schreibtisch austragen.

Die Teufelin will, dass ich meine Ziele nicht erreiche. Deshalb lässt sie mich von einer Idee zur nächsten hüpfen, lässt mich Dinge anfangen, bevor überhaupt der richtige Moment dafür ist. Sie treibt es sogar so weit, mich in einige krasse Luftschlösser bauen zu lassen, nur um mich dann mit großartigem Vergnügen tief fallen zu sehen. Es macht ihr einen Heidenspaß, meine Kreativität erst zu schüren, um mich dann auf halber Strecke stehen zu lassen.
Sie lauert mir auch gerne auf, indem sie mich im Social Media den nächsten Link anklicken lässt (womöglich verpasse ich den Anstoß für die zündende Idee!?); sie ist immer dann zur Stelle, wenn ich einmal in Ruhe arbeiten möchte, wenn zeitgleich die Kinder im Haus sind. Sie liebt es einfach, mich zu quälen.

Hallo, darf ich vorstellen? Ihr Name ist Euphorie.

Die Euphorie will, dass ich mich jeden Tag im Social Media herumtreibe, mich mit noch mehr unnützer Information zumülle. Sie sucht stetig nach dem goldenen Tipp, um zur erfolgreichen Schriftstellerin zu werden, gleichwohl jagt sie den anderen Autoren wie eine Besessene hinterher und vergleicht, was das Zeug hält. Es kann ja nicht angehen, dass diese vielleicht schon längst die beste Social Media Strategie leben, während ich – ja, was eigentlich?
Sie lässt mich mit den kümmerlichen Resten meiner eigenen Energie undiszipliniert ein neues Projekt anfangen, obwohl das andere noch nicht fertig ist, einfach weil sie mir das Neue als Nonplusultra verkauft. Warum sich dann noch mit dem schnöden alten Projekt abgeben?
Die Euphorie war es auch, die mich den Verlagsvertrag unterschreiben lassen hat, ein Schritt, den ich bis heute bereue. Ihr Überschwang hat verhindert, dass ich die Warnzeichen rechtzeitig gesehen habe und mich deshalb sofort mit Händen und Füßen gegen einen Verlagsvertrag dieser Art hätte sträuben müssen. Habe ich aber nicht. Schönen Dank, Euphorie.

Die Euphorie lässt mich vergessen, was eigentlich wirklich wichtig ist. Das macht sie so lange, bis sie sich – und mich gleich mit – vollkommen erschöpft hat. Sie ist mit all ihrem Überschwang also von ziemlich selbstzerstörerischer Natur.

Zum Glück hat die Euphorie meinen gesunden Menschenverstand noch nicht ganz untergraben, der Achtsamkeit sei Dank. Diese traut sich in den letzten Wochen immer häufiger an meine Seite, huscht ins Arbeitszimmer und hinterfragt mehr und mehr, worin in dem, was ich gerade so mache, die Sinnhaftigkeit liegt.

„Ist es sinnvoll, sich vom immer gleichen „Hallo!“ deiner Facebook-Timeline berieseln zu lassen?“
„Ähh, nee, also: Eigentlich nicht, aber …“
„He! Jetzt lass dich doch nicht von der Trulla belatschern! Hast du eigentlich schon diesen Link auf den interessanten Blogartikel gesehen? Den kannst du doch nicht verpassen!“
„Ja, aber …“

„Glaubst du ernsthaft, dass es sinnvoll ist, schon wieder ein neues Projekt anzufangen? Hier liegen bereits drei unfertige Romane!“
„Natürlich ist das nicht so optimal, aber ich hab das Gefühl, dass es bei diesem besser / anders / toller wird.“
„Siehste, Achtsamkeit: Anne weiß genau, dass diese neue Idee die bessere ist. Also, leg los, das wird DAS Projekt, versprochen!“
„Ja, Moment, so hab ich das jetzt auch nicht gemeint. Ich weiß nicht …“

„Worin liegt eigentlich der Sinn in deinem ständigen Vergleich mit anderen? Was glaubst du, erreichst du damit?“
„Eh–“
„Jetzt hör mal! Natürlich dient das dem Ansporn! Wenn eine andere Mutter von 2 / 3 / 4 Kindern eine erfolgreiche Autorin sein kann, dann kann unsere Anne das schon lange!“

Im Augenblick ist es vielleicht ganz gut, dass sich mein Ehrgeiz zusammen mit den Zwillingen im Sommerurlaub befindet. So hat nämlich die Stimme der Achtsamkeit eine reelle Chance, gehört und auch verstanden zu werden. Tatsächlich erlaube ich ihr, mehr über mein Handeln zu bestimmen und ziehe mich deshalb in diesen Tagen aus der Netzwelt zurück.

Die übereifrige Euphorie bekommt durch meinen gegenwärtigen Mangel an Ehrgeiz einen derartigen Dämpfer verpasst, wie sie ihn wahrscheinlich noch nie erlebt hat.

Wenn man Gefahr läuft, den Fokus auf das Wesentliche zu verlieren (oder gar schon verloren hat), dann ist eine Abkehr vom Gegenwärtigen oftmals der einzige und beste Weg, sich wieder zurück ins Lot zu bringen, auch wenn das bedeutet Abstriche zu machen.

Es ist okay.

Es ist vollkommen okay, die Sommertage mit den Zwillingen zu genießen und das Netz eben das … Spinnennetz sein zu lassen, in welches man sich so gut einfangen lassen kann. Und es ist für den Moment auch in Ordnung, sich keinen Kopf mehr zu machen, welches der unfertigen Manuskripte die höchste Priorität bekommen sollte. Facebook darf eben Facebook ohne mich sein und momentan auch bleiben, das Gleiche gilt für Twitter und Google+.

Es fühlt sich im Moment einfach richtig an loszulassen, also mache ich es. Dieses Mal hat die Achtsamkeit den ewigen Machtkampf um mein kreatives Ich klar gewonnen.

Alles neu!

Liebe Leserin,

meine Mutter hat einen Sinnspruch an ihrer Küchenpinnwand, an den ich im Laufe des letzten Jahres immer wieder denken musste, und welchen ich als besonders treffend empfand:

„Je mehr der Mensch plant, desto härter trifft ihn der Zufall.“

 

Uns als Familie ging es ein gutes Jahr so, denn wir haben gebaut und sind eine Woche vor Ostern umgezogen in unseren Neubau. Trotz aller guter Vorausplanung für die Bau- und Umzugsphase sind wir manchmal hart vom Zufall erwischt worden.
Und auch ich als Autorin (Selfpublisherin) habe ein hartes Jahr hinter mir, denn manchmal entwickeln sich die Dinge leider nicht so wie geplant. Positiv formuliert: Das, was ich im letzten Jahr über die Zusammenarbeit mit einem eBook-Verlag lernen durfte, kann ich zukünftig nicht noch einmal falsch machen.

Tatsächlich ist meine letzte Verlagsveröffentlichung ziemlich genau ein Jahr her: „Eine Affäre auf Mauritius“, meine erste Veröffentlichung als Selfpublisherin aus dem Jahr 2013, fand am 7. Juni 2015 den Weg in die eBook-Shops.

Nun haben wir bereits die Jahresmitte erreicht und es geht wieder stark auf Weihnachten zu *Scherz*, es wird also dringend Zeit für etwas Neues aus dem Hause Colwey. Jetzt, wo Bauen, Umziehen und Chaos vorbei sind, kann ich endlich sagen: Das Schreiben geht wieder los. Und ich freue mich riesig auf das nächste Happy End!

Auf bald!
Anne_Unterschrift

 

 

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