Schreiballtag
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Das Licht am Ende des NaNoWriMo´s

Morgen ist der NaNoWriMo zu Ende, und ich habe es sage und schreibe geschafft, 14.893 Wörter zu schreiben. **Ironieaus** **Frustan**

Woran lag´s?

Nachdem dies nun der dritte gescheiterte NaNoWriMo-Versuch ist, komme ich langsam auf den Gedanken, dass der National Novel Writing Month für viele Schreibende die ideale Herauforderung ist, aber eben nicht für alle.

Eine Herausforderung wirkt positiv motivierend, wenn eine reelle Chance besteht, sie zu meistern.

Hier ist eher das komplette Gegenteil der Fall. Und das Schlimme? Ich wusste das im Grunde genommen von Anfang an, mein Stolz wollte das aber nicht einsehen.

Selbstverständlich bin ich eine Zwillingsmama, die einen Vier-Personen-Haushalt inkl. großem Garten, zwei Kindergeburtstagsparties und den Schritt in ihre eigene Arbeitslosigkeit stemmt, und das alles während sie an 12 möglichen Schreibvormittagen à 3h 50.000 Worte raus haut. Was dachtet Ihr denn?

Wie blöd kann man sein?

Nicht blöd. Aber verzeifelt genug. Ich wünsche mir so sehr, endlich wieder ein fertiges Manuskript auf dem Tisch liegen zu haben, dass ich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehe. Vor allem sehe ich nicht mehr (und das schon seit Längerem), dass es eben so lange dauert, wie es halt dauert, ein Manuskript zu schreiben. In meinem Tempo, integriert in diesen oftmals chaotischen Familienalltag, verpackt in realistische Erwartungen.

Der dämliche Ehrgeiz, der zu Studentenzeiten mehr als willkommen war, hat irgendwie nicht mitbekommen, dass mein Leben als Mutter von Zwillingen ein ganz Anderes geworden ist, als das, was er kennt. Nicht mehr „die Nächte durchschreiben“, nicht mehr „nur sich selbst gegenüber verantwortlich sein“, nicht mehr „einfach mal nicht kochen“ und nicht mehr „heute schwänz ich, weil ich es kann“.

Ich bin stinksauer auf meinen Ehrgeiz, weil er mich ständig in Herausforderungen und Vergleiche mit anderen manövriert, bei denen ich niemals gut weg käme. Jedenfalls nicht so, wie er – und eigentlich auch ich – es gerne hätten, nämlich mit Glanz und Gloria und absolut erfolgreich.

Licht am Ende des NaNoWriMo´s

Auf der anderen Seite: Besäße ich diesen Ehrgeiz nicht, hätte ich sehr wahrscheinlich schon längst aufgegeben, meine schriftstellerische Karriere voran zu treiben. Gerade in solchen Momenten des Misserfolgs, die ich als ehrgeizige Wettkämpfernatur zugegebenermaßen schlecht wegstecke, ist es der Ehrgeiz, der mich zwingt, mich wieder aufzurappeln und weiter zu machen.

Allerdings, und das habe ich jetzt hoffentlich gelernt: Das Spiel muss fair bleiben. Ein Spiel zu spielen, bei dem von vorneherein klar ist, dass ich es nicht gewinnen kann, ist Verrat an mir selbst.* Ich helfe dadurch niemandem, am allerwenigsten mir selbst. Ich schade mir nur damit.

14k ist besser als Null

Der NaNoWriMo 2016 ist morgen zu Ende. Das neue Manuskript ist um 14.893 Worte gewachsen. **Frustaus** **Zuversichtan**

*Ihr erinnert mich im Oktober 2017 an diese Worte, wenn mein Ehrgeiz mich wieder austricksen will und es mir in den Fingern juckt, den NaNoWriMo mitzumachen, ja? 😉

2 Kommentare

  1. Liebe Anne,

    das sind ehrliche Worte, die gut verstehen kann. Letztes Jahr habe ich den Nano gewonnen, mit einer ziemlichen Punktlandung am letzten Nano Tag.

    Ich bin auch Papa, habe einen Vollzeitjob und bin bei uns Zuhause auch meistens der Koch und Küchenverantwortliche. Von daher schreibe ich inzwischen nur noch im Zug, wenn ich pendle.

    Dieses Jahr habe ich den Nano ausgespart. Zum Teil, weil ich wusste, dass ich es ohnehin nicht schaffen würde, aber hauptsächlich, weil mein Buchprojekt nicht an einer nanofähigen Stelle war und ich dieses erst voran treiben wollte.

    Wichtig ist, dass wir einfach nicht aufgeben. Dass wir planen, überlegen und uns hinsetzten. Der Wordount ist nur EINE mögliche Zählrichtung, aber 12 x 3 feste Schreibstunden sind doch super, wenn du sie nutzen kannst.

    Ein Weg zum Ziel ist in den wenigsten Fällen einfach geradeaus, meistens geht er links, rechts, rauf, runter.

    Ich schreibe meine geplante Geschichte gerade zum dritten mal neu. Das hatte ich auch nicht so geplant 😉

    Bleib dran. Jeden Monat 14K wären 168.000 Wörter im Jahr – genug für zwei Bücher.

    • Lieber Bruno,
      ganz herzlichen Dank für deine lieben Worte!
      Das mit dem links, rechts, rauf und runter vergessen meine Ungeduld und mein Ehrgeiz nur zu gern. Und du hast Recht: 14k pro Monat sind schon Etwas. 🙂 Ich sollte das Alles mal viel positiver sehen! 😉
      Viele Grüße,
      Anne

      PS: Zum 3. Mal neu schreiben klingt nach ziemlich gut werden.

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