Schreiballtag
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Nichts geht mehr? Mach eine Challenge draus!

Du kennst das: Voller Enthusiasmus startest du in ein neues Manuskript, nachdem deine Muse eine Punktlandung bei dir gemacht hat und dich glauben lässt, dass es DAS Manuskript ist.
Das eine Manuskript, was alles wieder gut macht, was bisher schief gelaufen ist in deiner Karriere als Autor.
Das eine Manuskript, das dir den langersehnten Erfolg garantiert.
Das eine Manuskript, das endlich, nach langen Jahren voller Absagen, von einem seriösen Verlag angenommen wird.

Also, nichts wie ran an den Schreibtisch und los geht´s, deine gierige Muse will eifriges Tastengeklappere hören! Und du bist hochmotiviert dabei, haust Szene für Szene raus, brennst richtig für DAS Manuskript, bis–. Genau. Bis gar nichts mehr geht.

Noch bevor du richtig verstanden hast, was eigentlich los ist, hat sich deine Muse entweder komplett verabschiedet, oder dich bereits mit einer neuen noch viel besseren Idee versorgt.

Ich habe mich über 20x von dieser Diva kaufen lassen. Über zwanzig angefangene Manuskripte, Romangliederungen, grobe Handlungsgerüste rotten in meiner Schublade vor sich hin.

Und ganz ehrlich?
Ich habe die Nase voll.

Ich habe keine Lust mehr auf immer neue Anfänge, immer neue Enttäuschungen, immer neues Steckenbleiben und Aufgeben.

Also schmeiß ich hin, oder? Begrab die Anne Colwey und Alles, was dazu gehört. Sämtliche Social Media Accounts, die letzten mit CreateSpace erschaffenen Druckwerke meiner Liebesromane, die mich mitleidig vom Regalbrett her anlächeln und die entstanden, bevor ich eine dämliche Knebelklausel unterschrieb, und überhaupt: Unsere Altpapiertonne fasst 240l. Da geht ’ne Menge rein.

Klar soweit? Die Colwey gibt auf.

Oder nicht?

Nein. Ich gebe nicht auf.

Ich mache eine Challenge draus.

Wenn ich eins im Laufe der letzten Jahre gelernt habe ist es, nicht vorschnell die Flinte ins Korn zu werfen und den Neidern, der dämlichen Muse, den Zweiflern auch noch Wasser auf ihre Mühlen zu geben. Ich kann es besser.

20 angefangene Romane? Sollten zu schaffen sein, oder?

Wenn du an dieser Stelle denkst: „Okay, die Frau hat ’nen ausgewachsenen Knall!“, dann wäre ich womöglich geneigt, dir vorerst Recht zu geben. Vielleicht habe ich den nämlich wirklich. Aber vielleicht suche ich mehr oder weniger verzweifelt nach einer Möglichkeit, wieder Grund in mein Schreiben hinein zu bringen. Der ist mir nämlich durch mehrere unschöne Erfahrungen abhanden gekommen. Meine Kritikpartnerin Hazel McNellis formulierte es in etwa so: „Der Mega-Super-Gau“.

Was also tun, wenn Anfänge nicht zum Ende führen?

Ich könnte natürlich jetzt noch eine neue Idee aus dem Hut zaubern, an Ideen für Romane mangelt es mir nie. Und ebenso wie alle anderen zuvor könnte ich wieder voller Enthusiasmus mit diesem neuen Roman anfangen (das letzte Opfer meiner Musen-Diva war übrigens ein Liebesroman mit Schauplatz in New Orleans).

Aber du und ich, wir wissen beide was passieren wird: Irgendwann kommt der Augenblick, an dem ich wieder einmal nicht mehr weiter weiß und das Manuskript abbreche. Um erneut voller Enttäuschung und Frust am Schreibtisch zu sitzen. Vielleicht bekomme ich es dann wirklich nicht mehr gestemmt, meinem Traum treu zu bleiben.

Es ist also an der Zeit, einen Weg zu finden, mein Verhalten zu ändern.

Auf meinem ganzen bisherigen Weg als Liebesromanautorin scheine ich mit einer simplen aber absolut wichtigen Kleinigkeit die größten Schwierigkeiten zu haben:

Ich habe (noch) nicht gelernt, die Dinge zu Ende zu bringen.

 

Willkommen in meiner Challenge!

Anfang September, als hier im Haus zunehmend mehr Ruhe einkehrte, habe ich einen mentalen Kassensturz gemacht. Ich habe Ursachenforschung betrieben, warum ich über 20 Manuskripte versumpfen lassen habe. Nach einigen Stunden Recherche im Internet und kritischen Hinterfragens meines Verhaltens stand fest:

Wenn es schwierig wird, bin ich weg.

Damit bin ich wohl eine klassische Drückebergerin. Diese Erkenntnis war erst mal ziemlich ernüchternd. Wer will sich schon gerne als Drückebergerin und Steckenbleiberin outen?

Nachdem ich das verdaut hatte, ging es an die Ursachenforschung:

Warum bleibe ich stecken? Warum wird es kompliziert?

Leider sieht man den Wald ja oft vor lauter Bäumen nicht. Im meinem Fall war es ganz offensichtlich, dass ich mich in der Gliederungsphase des Manuskripts einfach nicht genug um Details gekümmert hatte. Statt das Problem auszusitzen und eine Läsung für einen Handlungsknoten zu finden, habe ich flott drauf los geschrieben, darauf vertrauend, dass ich den Knoten schon gelöst haben werde, wenn ich an der Stelle im Manuskript angekommen bin.

Ein totales No-Go. Du kannst keinen Roman vernünftig aufbauen und schreiben, wenn du die Motive deiner Figuren und damit die Handlungsstränge nicht bis ins Detail kennst. Wie willst du denn da schon zu Anfang des Skripts die für die einzelnen Szenen richtigen Emotionen durchblicken lassen und die ersten, wichtigen Fragen aufwerfen, die den Leser bei der Stange halten sollen? Eben, gar nicht. Jedenfalls nicht für mein Schreibzentrum da oben drin.

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt, oder?

Nun ja. Ich brauchte einen Anreiz, um motiviert genug zu bleiben, mein Verhalten dauerhaft zu ändern. Ich bin eine ehrgeizige Wettkämpfernatur, also habe ich das Problem mal von der sportlichen Seite aus betrachtet.

#StapelUngeschriebenerBücher – meine ganz persönliche Challenge

Meine Autorenkollegen bei Twitter haben Anfang September einige Tweets von mir gesehen, in denen ich ihnen mein Problem unter diesem Hashtag beschrieb. Für mich absolut erstaunlich war, wie viele darauf angesprungen sind und Solidarität bekundet haben. Scheinbar bin ich nicht die Einzige, die mit einem Stapel ungeschriebener Bücher in der Bredouille sitzt.

Ich hatte zuerst Zweifel gehabt, ob ich mein Problem wirklich öffentlich machen sollte. Im Nachhinein ist das aber eine ganz gute Sache, hoffe ich zumindest, denn die Sichtbarkeit für alle setzt mich in gewisser Weise unter Zugzwang.

Ich setze mich nun mit meinem #StapelUngeschriebenerBücher auseinander.

Langfristig soll der Verlauf dieses Projekts auf meinem AnneBlog dokumentiert werden. Dazu in einem anderen Beitrag mehr!

Immer in der Hoffnung, den Selbstdisziplinmuskel für den schreibenden Langstreckenlauf zu trainieren,

eure
Anne_Unterschrift

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2 Kommentare

  1. Renate Bölsche sagt

    Manno, Du schreibst so toll! Ich verstehe auch die Skrupel, aber sie sollten Dich nicht bremsen! Gruß, Reni

    • Danke für deine lieben Worte!
      Ich hoffe durch diese Challenge einen Weg gefunden zu haben, diese Bremsklötze „Skrupel“, “ Angst“, „Unsicherheit“ und falsche Selbsteinschätzung dauerhaft los zu werden. 🙂
      Wir werden sehen und ich werde berichten.
      Liebe Grüße!

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