Sieg für die Liebe

Keiner meiner Romane hat mich bisher so umgetrieben und mich so viel Blut, Schweiß und Tränen gekostet wie „Sieg für die Liebe“. Das muss man einfach mal so sagen. Nachdem ich „Eine Affäre auf Mauritius“ im September 2013 selbst veröffentlichte, hatte ich, was das Schreiben von Liebesromanen à la Cora-Verlag, bzw. Harlequin Enterprises anging, Blut geleckt und wollte a) nun so richtig los legen und b) es verdammt gut machen.

So entstand in einer Schreibzeit von gut drei Monaten dieser zeitgenössische Liebesroman mit seinen etwas über 50.000 Wörtern. Die Geschichte von Valerie und Marco (vor allem Valerie!) ging mir richtig ans Herz.

Das Besondere beim Schreiben dieses Werks? Es floss im Großen und Ganzen einfach so aus mir heraus. Hier passte irgendwie alles, sowohl die Figuren, als auch das Setting und vor allem die inneren Konflikte, die die beiden mit sich herum trugen. Ich hielt mich beim Schreiben ziemlich streng an den Ratgeber „Heftromane schreiben und veröffentlichen“ von Anna Basener und an meine handschriftliche Gliederung auf DIN A4, in der ich den Handlungsablauf Szene für Szene umrissen hatte.

Lektorat und Korrektur durch Textverliebt – Katharina Gröger

Noch während der Roman bei Textverliebt im Lektorat war, machte ich mir erste Gedanken zum Marketing. Wie wollte ich es aufziehen? Wie viel Vorlaufzeit wollte ich dafür einplanen? Was sollte der Inhalt sein? Ich machte mir Gedanken zu Zielgruppen und wo ich diese am besten abholen könnte. Ich stöberte mehrere Abende durchs Netz, suchte Buchblogger, die dem romantischen Genre nicht abgeneigt zu sein schienen und überwand meine Angst, sie anzuschreiben. Auch traute ich mich, große Facebookseiten wie Fifty Shades of Grey Fans Deutschland und Happy End Bücher anzufragen, ob sie mein Buch vorstellen würden.

 

 

Ausschnitt aus dem Twitter-Header Frühling 2014

 

 

Zuguterletzt legte ich einen Veröffentlichungstermin fest, ich wählte den 14. Mai 2014. Dank der zügigen Arbeit meiner freien Lektorin hätte der Roman auch schon einen Monat oder sechs Wochen eher herauskommen können, aber irgendwie wollte ich das plötzlich gar nicht mehr.

Sobald ich die fertige eBook-Datei auf der Festplatte liegen hatte, nahm ich mir die Zeit, das Marketing noch weiter auszufeilen, durch Tweets und Posts den Roman den Leuten schmackhaft zu machen. Das war nicht einfach – zum einen nicht, weil ich irgendwann inhaltlich in eine Sackgasse lief (wer wollte schon immer wieder hören, dass mein neuer Roman am 14. Mai erschien?), zum anderen machten mir Medien wie Facebook es bereits vor zwei Jahren schwer, mehr Menschen als nur meinen üblichen Dunstkreis zu erreichen. Facebook erkannte damals schon, dass ich anfing, Inhalte zu wiederholen und stufte den Post auf meiner Autorenseite entsprechend herab.

Dennoch: der 14. Mai kam und „Sieg für die Liebe“ erblickte das Licht der Welt. In den letzten Wochen vor der Veröffentlichung entschied ich mich für kdp Select, ein Baustein, der das Werk für drei Monate ausschließlich an Kindle Direct Publishing bindet. Aufgrund dieser exklusiven Bindung erhält der Autor 70% Tantieme anstatt der üblichen 35%, ist allerdings auch verpflichtet, sein Werk über fünf Tage kostenfrei anzubieten, oder es über diese fünf Tage preislich zu staffeln. Mich trieb, wie schon bei „Eine Affäre auf Mauritius“ die Neugierde an. Was würde passieren?


1. Taschenbuchausgabe

„Sieg für die Liebe“ verkaufte sich ganz ordentlich. Scheinbar hatten die Bemühungen, die ich zuvor in mein rudimentäres Marketing gesteckt hatte, doch in gewisser Hinsicht Früchte getragen.
Im ersten Monat verkaufte ich 150 Kindle-Exemplare, im zweiten Monat 270. Für eine Anfängerin war das schon ganz ordentlich, fand ich. Schließlich hatte ich bis dahin von meinem Erstling „Eine Affäre auf Mauritius“ weit weniger verkauft.

 

 

 

no1everywhere

Dann allerdings kamen die Tage, an denen ich gemäß Teilnahmeverpflichtung „Sieg für die Liebe“ kostenfrei anzubieten hatte. Um es kurz zu machen: Ich war geschockt, als ich auf meine Zahlen blickte! Im Juni 2014 zählte der kdp-Zähler 6.853 kostenlose Downloads, im Juli immerhin noch mal 80. Über 7.000x war mein Liebesroman kostenfrei herunter geladen worden, entsprechende Peaks erreichte er bei den Platzierungen im Deustchen Kindle Shop.
„Sieg für die Liebe“ hatte zwar Platz 1 in den Kategorien ‚Liebesromane‘ und ‚Gegenwartsliteratur‘ erreicht, aber um welchen Preis? Von einem BestSELLER konnte jedenfalls keine Rede sein.

Buchsignierung für eine damalige Freundin

Auf der einen Seite wollte ich mich freuen, dass so viele Leser das Buch herunter geladen hatten, wenngleich ich nicht wusste, wie viele davon wirklich eine Leseabsicht hatten. Wenn etwas kostenlos verfügbar ist, gibt es einen Haufen Menschen, denen es lediglich ums Schnäppchen abstauben geht … Auf der anderen Seite traute ich mich kaum, mit irgendjemandem (schon gar nicht meinem Mann!) offen über die Zahlen zu sprechen – zu schnell wäre der Vorwurf des „Verschleuderns“ gefallen.

 

 

Buchumschlag für die epubli- und 2. CreateSpace-Taschenbuchausgabe

Sobald die drei Monate mit kdp Select um waren, machte ich die Taschenbuchausgabe für epubli fertig. Ich entwickelte einen neuen Coverstil und übernahm diesen sogleich für meine beiden anderen Werke „Eine Affäre auf Mauritius“ und „Rivieraliebe“. Ich fühlte mich mit dieser Art des Coverdesigns weitaus wohler als mit meiner 1. Version von „Sieg für die Liebe“.

Zum Jahresende 2014 hatte ich drei Romane veröffentlicht und diese zum Weihnachtsgeschäft in die Anthologie „Romantische Winternächte“ gepackt. Zwar war ich sehr, sehr stolz darauf, als Mutter von zwei Kleinstkindern das Alles in gut zwei Jahren erreicht zu haben, aber zwei Sachen machten mir dann doch zu schaffen.

  1. Ich wollte schreiben. Dazu kam ich aber vor lauter Marketingrührerei im Internet kaum noch.
  2. Dass mehr als 7.000 Menschen meine Arbeitsleistung einfach „für lau“ herunter geladen hatten (mit meinem vollsten Einverständnis) setzte mir doch mehr zu, als ich mir eingestehen wollte.

Postkarte (Frühling 2015)

Kurzum, ich war Ende 2014 an einem Punkt angelangt, der mir sehr deutlich machte: Wenn du hauptsächlich schreiben willst, musst du entweder deine Marketingaktivität auf ein Minimum schrumpfen und weniger Umsatz in Kauf nehmen, oder jemanden dafür einstellen (das Geld hatte ich nicht); oder du musst dir einen Verlag suchen, der dir das Markting abnimmt. Letztendlich war der Wunsch, in Ruhe zu schreiben so groß, dass ich mich um einen Verlag bemühte und ihn in Form eines eBook-Verlags auch fand. Dieser ließ sich die Rechte für alle meine bisher selbst veröffentlichten Werke übertragen. „Sieg für die Liebe“ wurde im März 2015 als eBook vom Klarant Verlag herausgebracht, der es seitdem vertreibt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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