Schlagwort: Verlag trifft Autor

Buchmesse, die Erste. Messeblues, der Erste.

Leipziger Buchmesse 2019

Montagvormittag. Ruhe im Haus, Zeit zu schreiben. Aber nicht am nächsten Manuskript, sondern über die Leipziger Buchmesse. Gemeinsam mit der Autorin Iris Fox habe ich am letzten Wochenende zum ersten Mal in meinem Leben die Leipziger Buchmesse besucht. Neben all den großen und kleinen Eindrücken ist mir einer ganz besonders haften geblieben: Es ist ein Riesenunterschied, ob man die schreibenden Kollegen und Kolleginnen „nur“ virtuell kennt, oder ob man ihnen tatsächlich live und in Farbe begegnet ist und im besten Falle ein paar Minuten miteinander reden konnte. Plötzlich haben Twitter- und Instagramaccounts ein echtes, lebendiges Gesicht. Plötzlich sieht man all das, was der virtuelle Account einem verschweigt: Ein Lächeln, ein Zwinkern, ein Ausdruck von Freude oder auch Ungeduld. Man hört die Stimme und ihre Sprechgewohnheit, die zu dem Social-Media-Account gehört. Man stellt fest, wie groß oder klein dieser Mensch im Verhältnis zu einem selbst ist … All diese kleinen Dinge, die scheinbar unwichtig sind, aber eben doch eine ganze Menge ausmachen, damit aus dem Social-Media-Account ein echtes, menschliches Profil wird. Ich fand es unglaublich spannend zu beobachten, inwieweit die Kollegen und Kolleginnen, die ich getroffen habe, zu dem von mir bereits über das Social-Media-Profil bestehenden Eindruck korrelierten – oder eben auch nicht. Und wie mir einige Rückmeldungen bestätigten, war ich nicht die einzige, die über Beobachtung ihre zuvor gewonnenen Eindrücke abglich. 😉 So ergibt sich für mich durch diesen Messebesuch wohl ein Besuch beim Fotografen („Dein Twitterprofilbild sieht aber doch etwas anders aus!“).

Aus schreibender Sicht: Die Leipziger Autorenrunde

Wer sie noch nicht kennt: Die Leipziger Autorenrunde ist eine ganztägige Fachtagung im Congress Center Leipzig. Organisiert wird sie von Leander Wattig und Team.
Von 10:00 bis 17:00 trafen sich Vortragende und Interessierte am Messesamstag am runden Tisch für jeweils 45 Minuten andauernde Sessions, danach wurde im rotierenden System gewechselt, wobei der Teilnehmer die freie Tischwahl hatte. Auch hier wieder der vorherrschende Eindruck: Es ist gut und wichtig, die Menschen live und in Farbe zu sehen, anstatt sie ausschließlich über Medien zu kennen.
In diesem Jahr interessierten mich Themen wie „Autobiografisches Schreiben“, „Non Fiction“, „Dichtung und Wahrheit“, sowie „Nature Writing“, aber auch „Aufenthaltsstipendien“ und „Verlagsvertrag“. Die Referenten waren allesamt gut vorbereitet und gestalteten ihre Vorträge insgesamt sehr individuell, einige boten sogar an, sie nach der Autorenrunde über ihre jeweiligen Websites zu kontaktieren, falls doch noch Fragen auftauchten.

Hochspannung kurz vor Schluss: Manuskript pitchen beim „Verlag trifft Autor“

Am Messesonntag, wenn man eigentlich denkt „Ahhhh, noch ein gemütlicher Messebummel, und dann heimwärts!“, kann man stattdessen auch noch selbst für ordentlich Adrenalin im Blut und Lampenfieber sorgen: Wer ein Manuskript fertig geschrieben hat und sich vorab beworben und einen Platz zugewiesen bekommen hat, darf am Sonntagvormittag auf der Veranstaltung „Meet & Greet – Verlag trifft Autor“ noch einmal alles geben und versuchen, innerhalb von 10 Minuten sein Manuskript an den Mann oder die Frau zu bringen. So erging es mir, als ich meinen Amalfi-Roman am Sonntagmorgen zwei Verlagen vorstellen durfte. Resultat: Ich darf mein Manuskript zuschicken, die Prüfung wird ergeben, was am Ende daraus wird.
Diese Veranstaltung fand ich sehr aufschlussreich. Abgesehen davon, ob ein Manuskript eine Chance hat, bekommt man als Autor in gewisser Weise unmittelbar mitgeteilt, wie man beim jeweiligen Gegenüber ankommt. Ob und wie Rückfragen seitens des vor einem sitzenden Lektorats gestellt werden, spiegelt wieder, ob man seinen Roman „rund“ mitteilen kann oder nicht. Ich fand das sehr lehrreich, auch wenn ich zugegebenermaßen auf die innere Aufregung gut hätte verzichten können. Aber, und auch das muss man sich bewusst machen: So ein Pitch ist im Grunde genommen nichts anderes als eine mündliche Prüfungssituation.

Leipziger Buchmesse: Die Nächste?

Das war meine erste Leipziger Buchmesse. Ich habe so viele tolle Menschen kennenlernen dürfen, habe mich sehr umfangreich informieren können und am Ende sogar mein Manuskript erfolgreich vorgestellt. Im Zentralbereich der Messe „unter der Glaskuppel“ ging es zeitweise zu wie im Bienenstock, der Lautstärkepegel war enorm. Auch habe ich leider einige Gespräche mit Kolleginnen nicht führen können, die ich bisher nur virtuell kannte, entweder passten die Zeit oder die Umstände nicht. Am Samstag wären Iris und ich fast zu spät zu unseren Terminen gekommen, weil wir – obwohl wir um kurz nach neun losgefahren sind – in ein Parkplatzproblem geraten sind. Es gab also durchaus ein paar Zwickel und Zwackel, die nicht rund gelaufen sind. Dennoch, wenn mich jemand fragen würde, ob ich noch einmal zur Leipziger Buchmesse fahre, ich würde sofort Ja sagen.