Warum ich Kohärenz als Wort des Jahres 2026 gewählt habe

Seit einigen Jahren verwende ich ein Wort des Jahres. Es ist eine kleine Gedankenstütze für das, was mir in den nächsten zwölf Monaten in meiner persönlichen Entwicklung wichtig ist und leitet mich wie ein Kompass durchs Jahr.

Für das Jahr 2026 habe ich nach einiger Überlegung das Wort Kohärenz dazu auserkoren, mein Wort des Jahres zu werden.

Mein Wort des Jahres 2026: Kohärenz

Kohärenz bedeutet für mich, etwas im Einklang mit mir selbst zu tun, mich stimmig zu meinen Überzeugungen zu verhalten und sinnstiftend zu handeln. Der Begriff kommt für mich einem Gefühl gleich, das ich empfinde, wenn ich im Rahmen meiner Werte handele und mir Ziele setze, die ich als sinnvoll empfinde und die sich harmonisch in mein Leben integrieren. Handle ich kohärent, bin ich ausgeglichen und resilient. Ich grenze mich von anderen ab und bewege mich innerhalb des von mir festgelegten Handlungsrahmens vorwärts.

Kohärenz von Lateinisch: cohaerere = zusammenhängen 

Warum es so wichtig ist, Kohärenz zu leben

Mein Wort des letzten Jahres war Mindset. Ich hatte es auserkoren, weil es mir im Rahmen des Arbeitsplatzwechsels helfen sollte, mit Herausforderungen besser zurechtzukommen. Wir erinnern uns: ich kann Dinge bis ins letzte Ende zerdenken, bevor ich ins Tun komme. Das richtige Mindset sollte mir also helfen, mich schneller in Entscheidungszwang zu bringen und zügiger ins Handeln zu kommen. Diese Einstellung, sich bewusst fürs Tun zu entscheiden, hat mir sehr geholfen, mit der Veränderung zurechtzukommen. 

Für den Anfang war das gut und richtig. Doch im Laufe der letzten Monate habe ich gemerkt, dass ich im Handeln so manches Mal eher am Rande meiner Werte agiert habe, oder dass ein so großes Maß an Anforderungen an mich gestellt wurde, dass ich ins Schwimmen gekommen bin. Ähnlich geht es mir in meiner Autorinnenkarriere mit den Anforderungen des Social Media. Hier wissen so viele externe Kräfte, was vorgeblich richtig ist für die Autorin, dass man einen ganzen Anforderungskatalog schreiben könnte. 

Je mehr auf einen einprasselt, desto verunsicherter und überforderter wird man, wenn man keine Strategie hat, die Stopptaste zu drücken, zu reflektieren und sich von alldem abzugrenzen. Damit das gelingen kann, kommt Kohärenz ins Spiel. Wenn ich eine an mich gestellte Anforderung unter dem Aspekt der Werte betrachte, die ich als Autorin habe oder die mein Arbeitgeber vertritt, kann ich sie einordnen in wichtig oder unwichtig, sinnvoll oder sinnfrei und dringlich oder nicht dringend. Kohärenz hilft mir also, im Einklang mit mir selbst zu handeln. 

 

Kohärenz macht frei

“Übernimm diese Strategie, und du wirst 6-stellige Umsätze erzielen!”, “Was deine Autorenkarriere unbedingt braucht!”, “Schließe dich noch heute dieser Community an, um gigantische Buchverkäufe zu erzielen!”, “Nur in diesem Onlinekurs erfährst du die wahre Strategie um erfolgreiche Schriftstellerin zu werden!”

Noch mehr? Wenn ich hier noch eine halbe Stunde sitze, erinnere ich mich bestimmt an noch mehr Clickbait-Überschriften aus der Schriftstellerbubble. 

Doch Spaß beiseite. Was bewirken diese Überschriften in einem? Wie fühlt man sich, wenn man immer wieder liest und mit der Nase drauf gestoßen wird, dass es schneller, besser, einfacher geht, die eigene Karriere voranzutreiben?

Sieht man sich die Überschriften genauer an, wird eins schnell klar: Es wird einem ein Mangel suggeriert. Ein Mangel, der ausschließlich bei sich selbst zu suchen ist, schließlich wissen die anderen ja offenkundig, wie’s besser geht. Und was macht so ein Mangel? Er verunsichert. Gibt einem das Gefühl von Unzulänglichkeit. Stellt das eigene Konzept in Frage: Es ist vielleicht doch nicht gut genug? Und er führt zum Gefühl der Überforderung, 

Besitze ich aber eine Strategie, die auf meinen Werten basiert, die ich als sinnbringend empfinde, und die voraussetzt, dass sich das, was ich tun will, harmonisch in mein Leben integriert, kann ich mich davon freimachen, die Erwartungshaltungen und Ansprüche anderer Menschen und Algorithmen zu erfüllen. Kohärenz entlastet also und hilft mir, mir treu zu bleiben.

 

Was bedeutet es seinen Autorenalltag kohärent zu gestalten?

Indem ich mich frage, ob der Impuls zu handeln überhaupt mit meinen inneren Werten übereinstimmt, kann ich mir Druck herausnehmen. Ich kann beruhigt Dinge ziehen lassen, die nicht zu mir passen. Und wenn ich das unter dem Schirm von Kohärenz betrachte, kann ich das hoffentlich ohne schlechtes Gewissen und Schuldgefühle tun.

Für mein Autorinnenleben äußert sich Kohärenz wie folgt

  • Das Buch ist fertig, wenn es fertig ist. Marketinggurus mögen erzählen, dass ich als Selfpublisher alle paar Monate etwas veröffentlichen soll. Diese Anforderung stimmt nicht mit meinem Anspruch an Qualität des Werkes und dem Wunsch, meine Kunst in Harmonie zu erschaffen, überein. 
  • Ich schreibe, was ich will unter einem Namen. Ich weiß nicht, wie oft ich bereits gelesen und gehört habe, dass man als Autor seinem Genre treu bleiben und einen neuen Künstlernamen wählen soll, wenn man einen Genrewechsel macht (was weitere Autorenwebsites und Social Media Kanäle nach sich zöge). Da sich die Entwicklung der Vermarktung ohnehin umorientiert in interessenbasiertes Marketing, wird künftig weniger der Autorenname im Vordergrund stehen, sondern mehr das, was er zu verkaufen sucht. Also kann ich getrost bei einem Künstlernamen bleiben und darunter frei veröffentlichen, was ich will. 
  • Ich führe meine Social Media Accounts wie ich es für richtig halte. Dieser Punkt ist eine riesige Herausforderung für mich, mich kohärent zu verhalten. Der Herdentrieb…. Gerade Instagram hat bisher vorgemacht, wie gute Bildästhetik für das Autorinnenleben aussehen kann. Und obwohl ich diese Art von Bildern zu schätzen weiß, ahne, mit wie viel Aufwand sie zusammengestellt wurden, merke ich jedes Mal wieder, wenn ich stundenlang Bildelemente verrücke, zusammenstelle und Fotos schieße, dass das nur bedingt ich bin. Es ist immer ein kleines Gefühl von falsch drin, als würde ich eine Darstellung von mir verkaufen wollen, hinter der ich nicht hundertprozentig stehe. 
  • Meine Website, meine Regeln. Auch hier wird einem immer wieder geraten, sich eng an ein Inhaltskorsett zu halten und Beiträge nur zu veröffentlichen, wenn sie dem zu verkaufenden Roman nahe sind. Möchte Frau Autorin sich über etwas anderes auslassen, dann besser über eine weitere, thematisch abgegrenzte Website. Ich bin es leid, mich zu begrenzen und Themen auszuschließen, die mich beschäftigen.

Wenn ich all das frei von “Du schwimmst gegen den Strom!”-Schuldgefühlen umgesetzt kriege, sag ich euch Bescheid. Manche dieser Veränderungen kann ich leichter in meinen Alltag integrieren, bzw lebe sie schon, jedoch mit schlechtem Gewissen. Bei anderen wird es schwer werden, sie als Teil meiner Persönlichkeit anzuerkennen, weil ich damit aus Konventionen ausbreche. Deshalb hoffe ich, dass mein Wort des Jahres mir dann in solchen Momenten helfen wird, mir treu zu bleiben und das zu tun, was für mich das richtige ist.

Und jetzt frage dich doch mal …

Was steht für dich auf dem Prüfstand, wenn dein Wort des Jahres ebenfalls Kohärenz wäre?

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